Hallo an alle,
heute möchte ich euch ein paar Zeilen weiterleiten, die Elke geschrieben hat und gern dürft ihr natürlich Kommentare und Einträge dazu posten:
Zig Mal habe ich mich schon gefragt, ob ich die Zeitschrift Leben mit DS abbestellen soll. Jedes Mal neue Therapien, neueste Erkenntnisse, neue Medikamente, neue Super-Downies, die unglaublich viel können, neue innere Auseinandersetzung mit dem Thema: hast du genug gemacht? Und so wir mir geht es vielen Müttern von Kinder (mein Sohn ist inzwischen 21) mit DS, die ich kenne. Und dann bestellt man sie doch nicht ab, denn man will ja auf dem neuesten Stand sein, man will wissen was so los ist auf dem DS-Sektor, man will nichts verpassen und vielleicht braucht man die eine oder andere Info doch noch...
Und zum Glück, denn sonst hätte ich den Artikel von Birte Müller auch verpasst. Gleich konnte ich mich wieder in die Anfangszeiten mit meinem Sohn versetzen, habe da immer gedacht mein Mann sei das einzige Exemplar, das einfach nur-Sohn-Sachen macht und sich für Therapie kein Stück interessiert J und konnte mich auch wieder an diese ewigen inneren Dialoge erinnern, ob ich nun die Zeit, Kraft und auch Überzeugung in eine Therapie, in eine Therapeutin habe, die Fragen ob sie nötig sind, ob sie sinnvoll sind, wie das im Alltag zu bewältigen ist und ob ich den Nerv der ewigen "Überei" habe ( bin eher der Typ Neues auszuprobieren und das nächste Neue wartet schon - durchhalten was ist das?). Zum Glück begegnete mir sehr schnell auch Vojta und da wurde mir klar (obwohl das ja doch die Fachleute waren) - die spinnen, die Therapeuten. Nichts gegen Vojta, für den der es vielleicht wirklich so nötig hat, dass anders keine Bewegung möglich ist und der sich dann (freiwillig) für diese Tortour entscheidet. Aber für meinen Süßen und vor allem für mich war das nix. Und auch noch total abschreckend. Aber ich hatte für mich auch gleich gelernt: obacht vor wohlmeinenden Ärzten und Therapeuten - und - zu allem gibt es wieder jede Menge Gegenmeinungen.
Zum Glück hatten wir damals einen tollen Kinderarzt, Dr.Dobler, der einen großen Erfahrungsschatz mit behinderten Kindern hatte. Er und seine Frau, die mit uns (an unserer Wahrnehmung was richtig ist) gehinderten Müttern ganz nette und liebevolle Sing- und Spielstunden machten und uns davon überzeugte, dass wir (!) die Fachleute für unsere Kids sind, dass wir merken, wenn etwas nicht stimmt, dass wir sehen, wenn es einen weiteren Schritt geben könnte, dass nur wir unsere Kids wie Mamas lieben können und dass wir mit ihnen leben, lachen und manchmal auch weinen können. Und sie überzeugten mich auch davon, dass mein Kind zu allererst mal ein Kind mit ganz normalen Bedürfnissen ist nach Nähe, Liebe, Kontakten, Akzeptanz und Anerkennung (und ich eine Mama mit ganz normalen Bedürfnissen) und kein Therapieobjekt. Natürlich ist Förderung wichtig, wir schauen ja auch bei unseren anderen Kindern danach, dass sie etwas lernen und im Leben weiter kommen. Aber wer da schon mal zur Nachhilfelehrerin mutiert ist, weiß wie sinnlos oft das Unterfangen ist als Mama die Lehrerin spielen zu wollen und welche kräftezehrenden, familienfeindlichen Kämpfe da entstehen können.
Hilfreicher ist es doch begleitend zu stärken, gelassen zu bleiben und zu schauen was in anderen Bereichen ganz o.k. ist.
Geholfen hat mir damals auch mein Kontakt zu erwachsenen, wenig oder gar nicht frühdurchgeförderten Menschen mit DS, die alle sehr unterschiedlich waren. Es gab auch da welche mit offenem Mund, mit schlechter Sprache, mit geschlossenem Mund, mit guter Sprache, mit vielen offensichtlichen Fähigkeiten, mit wenigen offensichtlichen Fähigkeiten.
Meine Erkenntnis daraus war, dass das Gras eben nicht immer wächst. Gute (bei Menschen genetische, emotionale und Umgebungs-) Bedingungen und angemessene (Therapie) Düngung ist dabei sicher wichtig und hilfreich. Ein regelmäßiger Rasenschnitt (Erziehung) ebenso, aber ziehen hilft echt nicht, ich hab`s probiert.
Gerne wollte ich Frau Müller und anderen Müttern Mut zum "Bauch-Gefühl", "zur Therapie-Lücke", Mut "zur Liebe" und Mut "zum eigenen Leben" machen, auch wenn ich gerade überlege, ob die Behindertenwerkstatt für meinen Sohn genug Förderung bedeutet J, obwohl doch einige so toll in "richtigen"
Betrieben arbeiten. Nein eigentlich überlege ich, ob das der Ort für ihn ist, an dem er sich im Moment am Besten weiterentwickeln darf und kann. Und ob er da Menschen um sich hat, die Erwartungen an ihn haben, aber ihn auch realistisch sehen, die ihn nicht als Förderobjekt wahrnehmen, sondern als Du, als liebenswerten Menschen, als Patrick eben. Mal sehen.
Viele Grüße
Elke Krieg